Sterbeprozess: Das tibetanische Totenbuch

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Sterbeprozess: Das tibetanische Totenbuch

Es gibt sehr viele Zugänge zum Thema Sterben. Sie alle haben das Ziel, den Prozess des Übergangs leichter zu verstehen. Das tibetanische Totenbuch beschreibt fünf Phasen, die meiner Erfahrung nach, mit dem Ablauf der akuten Sterbephase ident sind. Zu dieser komme ich noch etwas später im Text. Das tibetanische Totenbuch veranschaulicht, was in unserem Körper passiert, wie sich der Sterbende fühlt und was er alles hinter sich lässt, bis der Übergang vollzogen ist.

Das tibetanische Totenbuch

Die Tibeter gehen davon aus, dass jeder Mensch so wie ein starker, riesiger Fluss ist, der durch verschiedene Gegenden fließt. Jeder Abschnitt ist dabei eine Lebensphase. Das Wasser wäre ein individueller Bewusstseinsstrom, der verschiedene Leben mit seinen Aufgaben und Lektionen durchlebt. Hier spielen die Wiedergeburt und die Reinkarnation eine große Rolle. Jeder Mensch ist authentisch sowie einzigartig und daher kostbar. Der Körper ist in diesem Verständnis nur eine Hülle für das Dasein. Der Mensch besitzt feinstoffliche Bahnen, in denen die Lebensenergie bzw. der Geist, seine Gedanken und den Emotionen fließen. Der größte ist der Zentralkanal und dieser hat noch sechs große Zentren oder Chakren. Alle asiatischen medizinischen Systeme nehmen darauf Bezug. Diese Lebensenergien sind mit den fünf Elementen verbunden: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum.

Äußere Auflösung

In der aktiven Sterbephase lösen sich die Elemente nacheinander auf und erst danach ist das Leben beendet. Am Ende schwinden die Körper- und Sinneswahrnehmungen. Im Laufe des Lebens entwickeln wir eine Körperwahrnehmung, z.B. Kopfschmerzen, die uns ja bekannt sind, die uns vertraut ist. In der akuten Sterbephase werden diese schwächer und es kommt der Punkt, indem sich die Sinne verändern.

Das Hören: Die Stimmen rund um uns werden zwar noch wahrgenommen und gehört, aber die einzelnen Wörter können nicht mehr unterschieden werden.

Das Sehen: Die Gegenstände werden angeschaut, aber nur noch die Umrisse erkannt. Die Einzelheiten verblassen. So ist das auch mit dem Geruchssinn, Geschmackssinn und dem Tastsinn.

Dies sind die ersten Zeichen des äußeren Auflösungsprozesses. Die innerliche, körperliche Wahrnehmung verändert sich. Das wirkt sehr bedrohlich für den Sterbenden und es entsteht eine akute oft anhaltende Panik. Denn nichts ist so, wie es vorher war. Die bisher vertraute Körperwahrnehmung bricht zusammen, die Sinne richten sich nach innen und gleichzeitig wird klar, es gibt keine Hoffnung mehr. Jetzt ist die Todesstunde angebrochen, es gibt kein Zurück mehr.

Loslassen

Das Loslassen ist jetzt vorrangig und wir sind damit allein und verlassen. Niemand kann uns helfen. Wir sind orientierungslos, da wir nicht wissen, wohin die Reise geht und welches Ziel wir erreichen. So wie ein Boot, das am Wasser treibt und kein Ufer sieht.

In den nächsten Beiträgen möchte ich die Phasen nach dem tibetanischen Totenbuch näher beschreiben. Jeder der einzelnen Phasen ist sehr individuell und auch die Dauer ist verschieden lang. Es können wenige Minuten, Stunden, Tage oder Wochen sein. Ich habe zahlreiche Tipps aus der Praxis für Sie, wie Sie den Sterbenden am besten begleiten können.

Bitte kontaktieren Sie mich, wenn Sie Fragen haben.

Foto: Photo Arts Dr. Heinz Baier