Sterbebegleitung: Symbole und Rituale

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Sterbebegleitung: Symbole und Rituale

In dieser neuen Serie stehen Symbole und Rituale im Mittelpunkt und bringe Ihnen diese für die Sterbebegleitung näher. Denn in fast allen Kulturen gibt es Rituale der vielfältigsten Art. Sie kommen häufig in Zeiten von wichtigen Übergängen zum Einsatz. Daher rührt auch der Name „Durchgangsriten, wie z. B. bei der Geburt oder beim Sterben, in der Pubertät, im Klimakterium etc.

Wenn wir über Symbole und Rituale sprechen, ist das auch oft doppeldeutig. Es geht dabei nicht darum, das Erlebte oder Gefühlte zu zerreden oder zu analysieren. Der tiefere Sinn dahinter: ein besseres Verständnis für die Situation zu bekommen und die Wahrnehmung und Wachheit zu schärfen.

Wichtig ist mir persönlich vor allem Symbole und Rituale achtsam sowie sinnvoll einzusetzen. Voraussetzung dafür ist der Zugang zur bildlichen Sprache. Wir brauchen oft Bilder, um Zustände besser zu beschreiben. Diese Schilderungen kommen aus dem Bereich der Sinneswahrnehmungen und sie sind konkret. Es ist wichtig, Bilder und Symbole sowie deren Bedeutung zu erspüren und sie wirken zu lassen, damit sie sich vielleicht weiterentwickeln oder ihre Botschaft verstanden werden kann.

Rituale sind mehr als gute Gewohnheiten, die aus dem Alltag herausgehoben wurden. Sie drücken einen Sinn aus, der über die konkrete Handlung hinaus geht. Sie sind keine Wiederholungen, sondern Bestätigungen dessen, was ist!

Starten möchte ich mit den Symbolen

Ein Symbol ist ein „zusammenfügen“. In der Antike spielte es eine praktische Rolle. Ein Symbolon war ein in zwei Teile gebrochener Gegenstand, der einer Zusammenfügung bedurfte, um als Erkennungszeichen zu dienen.

Sechs Eigenschaften: Das können Symbole

1) Symbole stiften Gemeinschaft

Menschen erkennen an den Symbolen ihre Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, zu der sie sich immer wieder neu bekennen. Außerdem nehmen die Menschen über die Symbole Verbindung auf und bringen dadurch das Symbol und die Wirklichkeit wieder zusammen. Das Symbol ist gleich Trennung und Verbindung des Zertrennten. So ist eine bloße Zuschauerhaltung ausgeschlossen.

2) Symbole verbinden das Sichtbare und das Unsichtbare

Hierin steckt die Sehnsucht nach Wiederherstellung des gestörten und positiven Verhältnisses. Das Symbol steht im Zeichen der Verknüpfung des Sichtbaren und Unsichtbaren. Es ist zudem ein Bekenntnis der religiös-kultischen Bindung. Die symbolische Sprache ist die Sprache der Religion für das, was weit über unseren menschlichen Verstand geht. Sie ist Geheimnis und Offenbarung in einem.

3) Symbole sind vieldeutig und geheimnisvoll

Symbole können unterschiedliches bedeuten. Z. B. eine angezündete Kerze am Sterbebett kann mehreres ausdrücken: Wärme des Lebens, Licht der (göttlichen) Gegenwart, die Präsenz eines Menschen, der im Moment nicht körperlich anwesend sein kann, die Hoffnung auf Auferstehung, Licht im Dunkeln, usw. Das Symbol erschöpft sich niemals in einer Bedeutung. Genau deshalb ist es geheimnisvoll und nicht zu verwechseln mit Zeichen, die nur eine Bedeutung haben und ohne Geheimnis sind.

4) Symbole tragen in sich, was sie versinnbildlichen

Das klingt komplizierter, als es tatsächlich ist. Eine Rose ist ein Symbol der Schönheit, aber nicht die Schönheit selbst. Symbole sind nicht verschieden von dem, was sie versinnbildlichen: Die Schönheit ist ganz und gar in der Rose enthalten.

5) Symbole verdichten die Wirklichkeit, die sie offenbaren

Die Wirklichkeit, die symbolisiert wird, ist immer viel größer und umfassender als das, was sich im Symbol zeigt. Wieder ein Beispiel: Der Umgang mit Symbolen zeigt unsere Grenzen beim Sterben auf, das Anzünden einer Kerze, die die Gegenwart eines lieben Menschen mit all den guten Wünschen zeigt, sagt alles. Doch ist es nur ein Symbol.

6) Symbole vermitteln Sinn durch das Ansprechen der Sinne

Ein wichtiger Aspekt die Symbole in sich tragen ist, dass sie selbst erfahren werden müssen. Dies wird unter anderem in der Religionspädagogik gelehrt. Wenn Sie Symbole nur im Internet oder auf Fotos sehen, fühlen Sie sich sicher weniger angesprochen, als wenn die Sinne miteinbezogen werden. So ist es mit allen Symbolen.

Bitte kontaktieren Sie mich, wenn Sie Fragen haben.

Foto: 123rf.com/awrangler